Goths tanzen nicht

10391450_798269176850449_3031484375575662252_n

Im Amphitheater hatte es am Wochenende eine spezielle Kleiderordnung gegeben: Schwarz, hauptsache Schwarz. Die Gothic-Szene hatte sich getroffen, um das alljährliche Blackfield Festival zu feiern. Dabei geht es fröhlicher zu, als gedacht.

Ein sonniger Nachmittag am Freitag. Dudelsäcke, Geigen und eine Gruppe in Mittelalterklamotten steht auf der Bühne. ‚Feuerschwanz’ heizen dem Publikum ein.

:: Bunt und fröhlich passt nicht ::

Prinz R. Hodenherz III. sagt: »Uns wurde gesagt, wir passen nicht aufs Blackfield. Die Schwarze Szene feiert nicht gern.« Weit gefehlt. Mit Selbstironie getreu dem Motto »Met und Miezen den ganzen Tag« macht die Truppe um Hauptmann Feuerschwanz eine Party auf der Bühne. So hält eine der zwei Miezen immer wieder ein Schild hoch, was gerade gemacht werden soll. Zum Beispiel einfach »Lalala« singen. Zu Klängen von Geige, Flöte, Dudelsack, Gitarre und Schlagzeug wird getanzt.

Ganz anders sind die Norweger von ‚Gothminister’. Blutverschmiert und weiße Gesichter. Der Sound: Metal. Hämmernder Bass und harte Gitarren machen den Sound aus.

Die Bühnenshow ist nichts für schwache Nerven. Frontmann Bjørn Alexander Brem stellt eine Enthauptung dar oder hält eine Wolfspuppe theatralisch im Arm. Trotz der theatralischen Bühnenshow wird auch hier gefeiert. Die Band schafft es, mit ihrem energischen, kraftvollen Sound das Publikum mitzureißen.

Mit ‚Saltatio Mortis’ geht es wieder ab ins Mittelalter. Harte Gitarren, Dudelsäcke und eine energiegeladene Show. Mit Songs wie ‚Früher war alles besser’ reißen sie die Zuschauer mit. Mitsingen ist hier Pflicht. Genauso wie tanzen und klatschen. Alea der Bescheidene weiß, was er tut. Die Band agiert entweder per Mimik oder auch Gestik mit den Zuschauern. Sei es eine Aufforderung zum Klatschen oder einfach nur die Arme hochzuheben.

‚Schandmaul’ ist an dem Abend die letzte Band. Auch hier wieder Mittelalterklänge gepaart mit Gitarren, Akkordeon und Geige. Für die Zugabe wird eine beleuchtete Kiste auf die Bühne gefahren. »In der Kiste ist ein Song«, sagt Sänger Thomas Lindner. Die Geschichte des Songs ‚Euch zum Geleid‘ geht unter Haut. Es ist der letzte Brief einer verstorbenen Person. »Wollt ihr mich sehn, dann so schließt die Augen« singt das Publikum. Feuerzeug- bzw. Handydisplayatmosphäre pur.

:: Tag zwei: es wird elektronisch ::

Front Line Assembly aus Kanada können das Publikum nicht überzeugen. Mit ihren Synthesizern, Keyboards und monotonen Texten kommen sie nicht gut an. Die Zuschauer tanzen nur vereinzelt. Da hilft es nicht, wenn Sänger Bill Leeb von einer Ecke der Bühne zur anderen läuft um das Publikum zu animieren.

Ganz anders der Headliner an dem Abend: Das Duo von ‚VNV Nation’ aus England und Irland. Von den ersten Takten an hat Frontmann Ronan Harris das Amphitheater im Griff. Die Future-Pop-Band kommt gut an. So läuft Harris immer wieder von der einen Seite der Bühne zur anderen. Bei ‚Illusion’ wird’s ruhiger. Das Publikum schwenkt die Arme im Takt. Bei schnellen Nummern wird geklatscht und getanzt. Von wegen, Goths tanzen und feiern nicht. Mal verwandelt sich das Amphitheater in ein Meer aus Handybildschirmen, mal in einen Hexenkessel. So kommt auch die Aufforderung »Please!« von Harris gut an. »Don’t go, I want you to stay« wird ‘Illusion’ weiter gesungen.

:: Tag drei: Das Amphitheater brennt ::

Die Gesichter weiß geschminkt. Sänger Lex hat dazu noch quadratische, schwarze Flächen um die Augen. Die Mundwinkel rot. Der Sound: NDH-Sound. Harte Gitarren, eine Show die sehr energetisch ist. So kommt der Gesang auch hart daher. Die Strophen gesprochen, Bridge und Refrain gesungen. »Komm schon, Blackfield!« schreit Lex ins Mikrophon und animiert damit die eh schon feiernde Menge zum mitmachen.

So schreit das Amphitheater der Band den Song ‚Miststück’ entgegen. Trotz Regen feiert das Publikum.

Den ganzen Tag wird in den Umbaupausen schon gewerkelt. Pyrotechniker bauen Dampfdüsen und kleine Kästen auf. ASP wollen es bei ihrem ersten Konzert 2014 krachen lassen. »Ich mache, was ich am besten kann, denn ich bin ein wahrer Satan!« kündigt Frontmann Alexander Spreng den Song ‚Ich bin ein wahrer Satan’ an. Dabei reißt der die Augen weit auf und lehnt sich zurück. Das Publikum kreischt begeistert.

Singen, klatschen und feiernde Gothics. Sie lachen, haben Spaß. So sagt Sänger ASP immer wieder: »Schöne, schwarze Menschen hier.« Er lacht und hat sichtlich Spaß an der Show. Auch der Song zum gleichnamigen Film ‚Krabat’ ist dabei. Hier hat ASP schwarze Rabenfedern in der Hand. Die Bühne ist Grün beleuchtet.

Einer Stunde Feiern und harter Rock sind vorbei. Die Band geht erst einmal von der Bühne. Nach und nach werden die Rufe »Ich will brennen« lauter.

Bei dem Song als Zugabe steigen immer wieder Feuerbälle im Amphitheater auf.

Danach wird es dunkel, die Bühne erhellt sich.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s