Die Gefahr am Spielfeldrand

Heute habe ich ein Thema, was mich jetzt seit ein paar Tagen begleitet. Daher auch keine Bilder.

Es lässt mir einfach keine Ruhe und macht mich wütend. Der Text dazu ist ist auch wesentlich länger geworden, als geplant.

Tatsache ist: Stehe ich am Spielfeldrand, so bin ich automatisch einer Gefahr ausgesetzt. Dessen bin ich mir völlig bewusst. In den letzten 2,5 Jahren Sportjournalismus habe ich vor allem gelernt, NIEMALS den Puck oder Ball aus den Augen zulassen. Klar, es gab auch schon brenzliche Situationen, bei denen es hätte übel für mich ausgehen können. Bei einem meiner ersten Eishockeyspiele (Herner EV gegen Moskitos Essen) stand ich in der Mitte der Band. Da ist es am gefährlichsten, weil es kein schützendes Plexiglas oder Netz gibt. Besonders nicht in der Oberliga. Tja, meine Sätze nach hinten waren nicht ohne und die Pucks sind bei diesem Derby schon sehr oft geflogen. Auch habe ich da zum ersten Mal eine heftige Verletzung gesehen. Ein Essener wurde von seinen Teamkollegen vom Eis getragen. Er war nicht wirklich bei Bewusstsein und ein Knie war anscheinend auch durch.

Dann, ein paar Tage später, war ich in Soest beim Eishockey. Kein Plexiglas sondern nur ein Netz. Ich stand wieder in der Mitte. Das eine oder andere Mal musste ich mich ducken, weil ein Schläger flog oder auch ein Puck. Einmal hätte mich fast ein Puck erwischt, wenn mich nicht ein Sanitäter weggezogen hätte. Ich lies mir das eine Lehre sein und sprang gerade in der ersten Saison (auch wenn ich hinter Plexiglas stand), gleich so weit wie möglich nach hinten, um ja nicht getroffen zu werden. Ich sprang auch weg, wenn Spieler sich genau vor meiner Nase mal eben gegen die Bande checkten.

Beim Basketball ist mir schon das eine oder andere Mal ein Ball an den Kopf geflogen. Tja, wenn man nicht aufpasst, kann das passieren. Mit der Kamera vor der Nase hat man leider nicht das ganze Spielfeld im Blick. Auch hatte ich schon beim Basketball einen Spieler auf dem Tisch liegen, da die Pressetische je nach Ort direkt unter dem Korb stehen oder die Banden sehr niedrig sind.

Für Inlinehockey gilt genau dasselbe, wie beim Eishockey in Soest, nur Netze und verdammt noch mal, aufpassen. Tja, hatte ich bei einem Spiel nicht und stand dann auch noch an die Bande gelehnt da. Das Ende vom Lied: Ein Spieler guckt mich nur an, als er sich wohl fragte, warum der Schläger jetzt festhing. Mein Hals war im Weg. Zum Glück hatte er nicht richtig ausgeholt, sonst wäre es schlimmer gewesen. Ich hatte nicht aufgepasst. Memo an mich war: Aufpassen und nicht zu nah an die Bande ran.

American Football …  Tja, das Spielfeld hat nun mal keine Banden und die Auslaufzone wird auch von Fotografen belagert. Ich habe mir bei dieser Sportart angewöhnt, lieber einen Satz zu viel nach hinten zu machen, wenn Spieler auf mich zu gerannt kommen, als einen zu wenig. Manchmal reicht auch ein Schritt zur Seite, um nicht umgerannt zu werden. In einem Spiel machte ich auch nur einen Schritt zur Seite. Der Kollege neben mir am Spielfeldrand fand sich dann am Boden wieder und es lagen zwei Spieler auf ihm drauf. Dem Kollegen ist nichts passiert, sogar die Kamera hat es überlebt.

Nun aber zum aktuellen Anlass, warum ich den ganzen Text hier schreibe: Ein „Fotograf“ wurde bei einem Eishockeyspiel schwer verletzt. In welcher Halle und welches Spiel es war, kann und darf ich nicht schreiben. Der „Fotograf“ fiel mir schon öfters mal auf, weil er sich immer in den Weg stellte oder in absolut unpassenden Momenten auf den Auslöser drückte. In der Halle, von der ich gerade spreche, sind die Spielerbänke durch ein Netz oder Plexiglas von den Fotografen abgetrennt. So kann es auch passieren, dass sich Pucks in Richtung Fotografen verirren. Jedenfalls hatte ich mir gerade eine Notiz gemacht und schaute gerade wieder hoch. Der besagte „Kollege“ muss wohl mal wieder genau im Weg gestanden haben. Das Spiel war an der Spielerbande, wo man eh aufpassen muss, wenn sich das Spiel da befindet, weil kein Schutz vor Pucks. Ich sah nur, dass sich ein Kollege wegduckte, und der besagte, unvorsichtige „Kollege“, auf einmal den Kopf nach unten hält, nach hinten taumelt. Ich drehe mich weg, fragte mich, was da passiert ist, schaute noch einmal zu ihm und sah ihn wie verrückt am Kopf bluten. Mein Blick schweifte Richtung Sanitäter, die ich aber nicht sah. Stattdessen rannte ich zu den Securities und rief nur“Sani! PUCK!“ Bis dato habe ich noch nie so schnell rennende Sanis gesehen. In der Zeit hatte der besagte „Kollege“ schon ein Handtuch vom Betreuer der Mannschaft am Kopf, die Brille war zerschossen, der Mannschaftsarzt war auch schon da. Die Spieler auf dem Eis schauten nur geschockt zu dem Kollegen rüber. Das, was zum Gesundheitszustand des „Kollegen“ gesagt werden kann, ist, es hat ihn sehr übel erwischt und er wird wohl noch die eine oder andere OP haben. Tatsache ist, der Schlag vom Spieler war direkt an der Bande und schwer zu sehen. Und es war ein Schlagschuss, bei dem ein Puck eine Geschwindigkeit zwischen 120 km/h und 160 km/h haben kann. Die Folgen für ihn werden enorm sein …

Weshalb schreibe ich das Ganze?  Der „Kollege“ ist auch auf der Seite seines Mediums nicht als Journalist/Fotograf geführt. Er arbeitet zwar bei einer Zeitung und hat wohl auch Eishockey als Interesse, aber das rechtfertigt nicht, dass man einen Amateur in Gefahr bringt, der anscheinend keine Ahnung von dem hat, was er da macht. Der Unfall ist schon schlimm genug. Gerade habe ich bei dem Medium einen Artikel dazu gefunden. Der Sachverhalt wird nicht ausreichend dargestellt. Das GESAMTE Team der Mannschaft wünscht ihm gute Besserung. Und es war ein Schlagschuss, der nicht in die gewünschte Richtung flog. Dazu geben die zu, dass er als „Fotograf“ im Einsatz war. Daher kann ich auch sagen, dass der Arbeitgeber vom „Kollegen“ grob fahrlässig gehandelt hat, weil er eigentlich eine ganz andere Aufgabe bei dem Verlag hat.

Nur nun stelle ich mir die Frage, was für Konsequenzen das haben wird. Bei der Mannschaft, bei der das Ganze passiert ist, wird inzwischen überlegt, wie man die Zuschauer schützen kann, denn ab einem bestimmten Punkt ist kein Plexiglas mehr vorhanden, weil es direkt an der Bande damit weiter geht. Seitdem Unfall bekommen wir Fotografen am Eis immer wieder Updates, wie es dem Unfallopfer geht. Die Verantwortlichen überlegen, wie sie die Zuschauer am Besten schützen können. Das einfachste wäre ein Netz. Ein Helm bringt am Eis unten nichts, weil die Pucks immer so angeflogen kommen, dass sie auf die ungeschützten Stellen eines Gesichts treffen.

Aber das ist das Problem, was ich in den letzten Jahren festgestellt habe: Gerade im Sport sind so viele Hobbyfotografen am Spielfeldrand, die zwar das Spiel kennen, aber doch keine Ahnung davon haben, was da unten abgeht. Denn ein Spiel von oben zu sehen, ist etwas ganz anderes, als von unten. Man hat von oben einen besseren Überblick. Nein, ich möchte niemanden sein Hobby verbieten, denn ohne die Hobbyleute würde es auch die mediale Präsenz gewisser Vereine oder Sportarten gar nicht geben.

Doch wenn etwas passiert, kriegt erst der Verein, bei dem etwas passiert ist, einen drüber. Und das kann es nicht sein.

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