Schland, oh Schland! Deutschland im WM-Fieber

Ein Kommentar zur Fußball-WM und den Trainern.

Fußballtor im Stadion (Foto: Jenny Musall)

Nun sind sie wieder da. Die 82 Millionen Fußballtrainer, die es alle besser wissen, als unser aller Lieblingstrainer Jogi Löw. Und sei es nur die Sache mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Beide Spieler haben ausschließlich die Deutsche Staatsbürgerschaft, was natürlich jeder weiß und beide wegen eines Auftrittes mit Trikotübergabe in der Türkei in der Kritik stehen. Aber davon wird letztendlich keiner mehr sprechen, wenn die Herren schließlich das machen, wofür sie bezahlt werden. Tore schießen. Jedenfalls wird ganz Fußballdeutschland ihnen das verzeihen, wenn sie „Die Mannschaft“ zum Sieg schießen. Denn schließlich muss ja der Titel verteidigt werden.

Und bis dahin wird sich auf Teufel komm raus, beim Public Viewing die Kante geben, sodass hinterher niemand mehr weiß, wer jetzt eigentlich das Tor geschossen hat. Das muss dann auf einer der gefühlten 100 Millionen Seiten im WWW nachgesehen werden. Denn etwas historischen, gar rekordverdächtiges darf man natürlich nicht verpassen. Nicht einmal im Bierrausch.

Wobei, der Deutsche hat ja auch noch andere Möglichkeiten, als Public Viewing. Und seien es nur die eigenen Vierwände. Hier werden Freunde, Bekannte oder wahlweise auch die Familie eingeladen, um gemeinsam zu schauen, was da gerade auf einem der Plätze in Russland passiert. Hierbei wird lauthals geflucht, gejubelt. Der Verweigerer dieses Großereignisses kann aber nicht anders, als zu wissen, wie das Spiel steht. Denn mal im Ernst, die Laute sind doch sehr eindeutig. Spätestens beim Autokorso durch die Straßen, bei denen nur noch gehupt und gegröhlt wird, muss man ja wissen, wer das Spiel nun gewonnen hat. Ist das nicht erkennbar, so hat der Deutsche auch noch Fahnen am Auto, die keinen Zweifel mehr daran lassen, wer denn nun als Sieger vom Platz gegangen ist.

Da interessiert es auch niemanden, wie der Russe mit Pressefreiheit umgeht. Geschweige denn, mit der Würde eines Menschen. Hauptsache, das Event kommt gut rüber. Kritiker werden eh eingelocht. Diese können sich das Spektakel dann hinter Schwedischen Gardinen ansehen.

Will man das Ganze aus welchen Gründen auch immer, umgehen, und hofft, in den Sozialen Netzwerken gehe es ohne, der hat weit gefehlt. Hier kommen die Bekenner voll auf ihre Kosten. Häuser werden mit Fahnen geschmückt, um sicher zu gehen, dass auch der Letzte weiß, es ist WM. Reiter sind fast ausschließlich nur noch in Schwarz, Rot, Gold unterwegs und posten dieses auch noch.

Es gibt also kein Entkommen, es sei denn, man lebt hinter dem Mond.

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