Goodbye my friend – ein Abschiedsbrief

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RIP Ernie (1996 – 2018)

Lieber Ernie,

Lange habe ich überlegt, wie ich diesen Text anfangen soll. Bin sämtliche Szenarien durchgegangen, wie mir der Abschied am Liebsten gewesen wäre. Ein Unfall, bei dem nichts mehr zu retten ist, wäre der Abschied gewesen, der mir am besten in den Kram gepasst hätte. Hauptsache, dich hat niemand anders mehr. Aber es ist alles anders gekommen. Die Spuren der Zeit sind nicht ohne gewesen. Letztendlich war der Rost doch stärker und hat gewonnen. Dieser Rost! Was habe ich oft geflucht. Wie oft wurdest du geschweißt, doch immer ist dieses Elend wiedergekommen.

Nun ist heute nach 20 Jahren und Acht Monaten Schluss. Wir haben viel mit einander erlebt. Ehrlich gesagt, als du im November 1997 zu uns in die Familie gekommen bist, war das laut meiner Mutter nicht geplant gewesen. Zwei Mal hat dich ihr Ex-Mann zu Schrott gefahren, zwei Mal, in denen du immer wieder gerettet wurdest, weil du noch zu jung warst. Immer wieder wollte meine Mutter dich abgeben, weil du schon in jungen Jahren mit dem Rost zu kämpfen hattest. Immer konnte ich sie überzeugen, dass sie dich nicht abgibt. Im Dezember 2001 habe ich angefangen, selbst zu fahren. Endlich 18 und den Führerschein in der Tasche! Doch das stellte sich als nicht einfach heraus, als Fahranfänger ein Auto ohne Servolenkung zufahren. In den ersten zwei Jahren ist nicht viel passiert, in denen ich dich mitfahren durfte. Okay, eine Bank im Dunkeln, ein Baum, der auf einmal da stand oder der Pfeiler, weswegen an einer Stelle die Aufkleber fehlen. Auch meinen ersten Unfall habe ich mit dir gehabt. Ich bin einem BMW drauf gesegelt. Nichts dramatisches, nur ein Frontscheinwerfer hat gelitten.

Auch den bisher einzige Plattfuß hatte ich mit dir gehabt. Der allerdings größte Schaden ist mir mit dir auch passiert. Allerdings hatte ich damals schon vorher meiner Mutter gesagt, dass du dich komisch anhörst. Der Zahnriemen ist vor einer Baustelle auf der A45 abgesprungen. Es ist zu einer eh schon schwierigen Zeit passiert und dann das. Aber okay, du wurdest wider auf Fordermann gebracht. Die paar krummen Ventile waren nicht schlimm, da der Rest in Ordnung war.

Im Jahr 2010 wurdest du dann offiziell meiner. Ich erinnere mich noch daran, wie ich damals mit meiner Mutter über einen Namen für dich gesprochen habe. Schon damals war „Ernie“ hoch im Kurs. Und so kam es, dass du im Januar 2010 so gezickt hattest, weil es kalt war, dass ich einfach nur „Ernie, benimm dich gesagt hatte“, und du darauf gehört hattest. Von da an war es also offiziell: Dein Name ist Ernie.

Du bist mit mir nach Gelsenkirchen gezogen. Es hieß damals immer: Nach dem Studium kriege ich ein anderes Auto. Tja, ich habe mich wirklich lange gewehrt, ein Neues zu bekommen. Nun ist es soweit. Ich wollte diesen Schritt nicht gehen, aber bereits vor zwei Jahren hat sich dieser Schritt angekündigt. Mir wurde gesagt, dass man dich nicht noch einmal über den TÜV kriegen würde. Da wusste ich, dass die Zeit abläuft.

Viele fragen mich immer, was ich an dir finde. Diese Frage ich einfach zu beantworten: Zu Anfang wollte ich dich auch nicht. Ich habe viel Negatives mit dir verbunden, was hauptsächlich mit dem Ex-Mann meiner Mutter zusammen hängt. Und doch wurde daraus etwas Positives. Ich erlangte Freiheit, brauchte dich irgendwann nicht mehr teilen, oder meine Mutter fragen, ob ich mit dir los kann. Du bist das Vermächtnis meiner Mutter für mich. Es war nie geplant, dass du so alt wirst. Und doch, bin ich immer stolz darauf gewesen, sagen zu können, dass du 22 Jahre alt bist und seit über zwei Jahrzehnten in der Familie bist. Ich kenne dich in-und auswendig. Weiß ganz genau, welche Wehwehchen du hast. Wo die Schwachstellen sind.

Nun, über Acht Jahre später, kann man nichts mehr für dich tun. Der Rost hat gewonnen. Ich kann nichts mehr für dich tun.

Danke, Ernie für viele tolle Jahre und viele tolle Erinnerungen. Du wirst für mich immer das erste Auto sein, was ich nicht vergessen werde. Auf viele Reisen hast du mich begleitet, in neue Lebensabschnitte oder einfach nur so. Aber auf deine letzte Reise kann ich nicht mitkommen, die musst du nun alleine gehen. Gerne hätte ich dich persönlich dahin gebracht, nur um sicher zu gehen, dass dich niemand anderes mehr fährt. Aber dafür hast du selber gesorgt. Die letzten Fahrten waren emotional, gerade, als sicher war, dass du mich nicht weiter begleiten wirst. Du bekommst keinen neuen Besitzer, da bin ich mir sicher und es wurde mir bereits versprochen. Die letzte Reise hast du nun hinter dir.

Mach’s gut, mein Kleiner!

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