Wenn Wildtiere Hilfe brauchen, ist man verlassen

Wenn Wildtiere in Not sind, gibt es nicht viele Anlaufstellen. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, bis jetzt.

Wenn Wildtiere in Not sind, ist guter Rat teuer. Das musste ich nun feststellen. Viele Anlaufstellen gibt es nicht und ich habe mir einen Tag bzw. Abend noch die Finger wund telefoniert.

Einmal ist es gut gegangen und ein anderes Mal leider nicht.

Wenn Igel für Nachwuchs sorgen …

Dass das vergangene Wochenende Wildtiere bereit hielt, die in Not waren, wusste ich am Freitagmittag noch nicht. Spät Abends bin ich mit meiner Begleitung noch eben unterwegs gewesen, ein paar Fotos machen. Bereits als wir losfuhren hörten wir verdächtige Geräusche aus einem Busch am Parkplatz. Daher haben wir eben nachgeschaut. Wir haben erst nur einen Igel gesehen, dann den zweiten. Okay, einer sah mir nicht so gut aus, daher habe ich mich auch entschieden, den Tieren eben Wasser hinzustellen. Ich hörte mich schon um, wo man Igel in Not unterbringen kann und organisierte etwas Nassfutter. Wider zu Hause angekommen, waren die Beiden immer noch im Busch, aber sie stöhnten nicht mehr. Das Wasser hatten sie angenommen und ordentlich getrunken. Das Nassfutter wurde auch angenommen und beide waren am nächsten Morgen nicht mehr da.

Eine Fledermaus fällt vom Baum

Ich dachte bereits, dass es das war mit den tierischen Notfällen am Wochenende. Doch es kam schlimmer und dieser Fall sorgt bei mir ehrlich gesagt für ordentlich Wut. Warum?

Am Samstag musste ich zur Luisenhütte nach Balve Wocklum. Dort stand ein Auftrag an, den es ab zu fotografieren galt. Letztendlich War es eine Veranstaltung, bei der auch laute Musik gespielt wurde und viele Menschen da waren. Eine Besucherin war zum Glück aufmerksam, als ihr eine kleine Fledermaus vor die Füße fiel. Sie wollte das da schon erschöpfte Tier einfach nur auf den Baum hängen, doch wir entschieden uns, das Tier erst einmal in unsere Obhut zu nehmen. Also wurde eine Kiste organisiert und eine Untertasse mit Wasser rein gestellt. Erst hatte die Fledermaus auch in den Wasser gebadet und ordentlich getrunken. Doch auf einmal ging es ihr immer schlechter und ich versuchte, so schnell meine Internetverbindung es mitten im Nirgendwo zu ließ, rauszubekommen, wo man das Tier hinbringen kann, damit es überlebt. Zu diesem Zeitpunkt hatten meine Begleitung und ich bereits bei den Sanitätern nach einer Spritze gefragt, damit das Tier besser trinken kann. Beim Veranstalter hatten wir auch bereits nachgefragt, ob sich jemand mit Fledermäusen auskenne und wo man das immer schwächer werdende Tier hinbringen könne. Es hat sich keiner verantwortlich gefühlt, obwohl allen, die davon wussten, das Tierchen süß fanden und auch Mitleid hatten. Aber Helfen? Fehl am Platz.

Meine Internetverbindung funktionierte nur an zwei Stellen und ich googelte, was das Zeug hielt. Rief Tierärzte, Notdienste und Tierschutzorganisationen an, die aber nicht ans Telefon gingen. Nur eine Kleintierklinik in Recklinghausen konnte mir gegen 21:50 endlich helfen. Ich erhielt die Telefonnummer von jemanden aus dem Fledermausschutz, rief dort an und niemand ging ans Telefon. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich bereits, dass noch etwa eine Stunde Arbeit anstand. Doch ich ließ meine Begleitung immer mehr machen und schaute in immer kürzeren Abständen bei dem inzwischen immer schwächer werdenden Tier vorbei. Sie reagierte bis zum Schluss auf meine Stimme. Als ich dann noch Wasser holte und wieder kam, war es passiert. Das Tier war so dehydriert, dass es gestorben ist. Seit dem Fund hatte sie kein Wasser mehr zu sich genommen. Kein Mensch hat sich verantwortlich gefühlt, keiner wollte helfen. Stattdessen ist bei mir der Eindruck entstanden, dass man die Verantwortung lieber abgegeben hat.

Der Rückruf kam zu Spät

Was mich allerdings richtig wütend macht, ist die Tatsache, dass der Rückruf vom Fledermausschutz erst Sonntagabend erfolgt ist. Bei allem Respekt, den ich für Ehrenamtler habe, fand ich das nicht gut. Es ist am Samstag vor 22:00 dort angerufen worden und niemand ist ans Telefon gegangen. Auch finde ich nicht gut, wie das Gespräch verlaufen ist. Der Herr wirkte eher genervt, dass er sich jetzt noch mit mir und der inzwischen toten Fledermaus auseinander setzen musste. Er erklärte mir, dass die Tiere stürze aus großer Höhe wohl verkraften und ihnen laute Musik nichts ausmachen würde. Ehrlich gesagt, das habe ich in der Schule anders gelernt. Fledermäuse sind äußerst empfindliche Tiere. Er meinte auch, dass eine Katze Jagd auf die Fledermaus gemacht haben könne.

Meine absolut persönliche Meinung zu dem Ganzen: Ehrenamtler sind gut und schön. Das Gleiche gilt für Tierärzte und Tierschutzorganisationen. Aber wenn wirklich ein Notfall da ist, ist man verlassen. Mir tut es nur um die Kleine leid, denn die hat bis zum Schluss gekämpft und meine Begleitung und ich hätten gerne mehr getan. Denn der Tod des Tieres ist meiner Meinung nach komplett unnötig gewesen. Okay, man weiß nicht, ob das Tierchen doch innere Verletzungen hatte, die dann zum Tod geführt haben. Ich weiß es nicht, aber wenn man Hilfe braucht, kriegt man sie besonders am Wochenende nicht.

Traurig, aber wahr.

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