Reisetipp: Ab nach Finnland

Finnland, das Land der 1000 Seen oder Tode, je nach Situation. Denn Autofahren können sie da Oben nicht. Und bitte nicht auf Schwedisch ansprechen. Das geht genauso wenig gut, aber das Leben genießen können sie.

Mit Finnland verbinde ich vieles, was unheimlich schön und spannend ist. Ohne die Band „Negative“ wäre ich wohl niemals hoch geflogen. Damals, 2008, war nicht sicher, ob sie überhaupt Konzerte in Deutschland geben. So bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, hochzufliegen. Eine Bekannte hatte das Hotel gebucht. Mitten in Tampere. Zu diesem Zeitpunkt war gerade das Tammerfest und Negative haben da auch, wie jedes Jahr, gespielt. Ehrlich gesagt, ich erinnere mich gerne an diesen Urlaub zurück. Denn was danach passiert ist, hat mein Leben stärker beeinflusst, als ich mir hätte jemals erträumen können. Den ersten Flug, ordentlich feiern (inklusive ordentlichen Kater), viele Leute kennengelernt, viele Konzerte und einfach eine tolle Zeit gehabt. Das verbinde ich mit diesem Sommer.

Die Sprache und Finnen sind nicht zurückhaltend

Zu diesem Zeitpunkt habe ich Finnisch wesentlich besser gesprochen und verstanden, als ich es heute tue. Grundlegend bin ich immer auf Finnisch angesprochen worden. Allerdings habe ich auf Finnisch folgendes geantwortet: „En puhua suomea. Mä on puhut Saksaa vai Englantia.“ Auf Deutsch: „Ich spreche kein Finnisch. Ich spreche Deutsch und Englisch.“ Überlebenswichtig. Genauso, wie Fluchen. Aber da komme ich gleich noch zu. So, zurück zu meinen zwei Sätzen. Das Gesicht der Finnen war nicht schlecht. Sie haben mich sehr irritiert angesehen und schon sind sie neugierig geworden und haben einen ausgefragt. Von wegen Finnen sind zurückhaltend … Es ist geflirtet worden, was das Zeug hält und mir ist verklickert worden, dass ich doch recht finnisch aussehen würde. Daher habe man mich auch auf Finnisch angesprochen. Auch sonst kann ich nicht behaupten, dass Finnen (zumindest, was die Männer angeht) zurückhaltend sind. Gib‘ ihnen ein Bier oder auch zwei, dann haben sie genug Mut und sprechen dich an. Aber es gibt auch solche Exemplare, die die Zähne einfach nicht auseinander kriegen und andere vor schicken. Das ist dann dieser typische Finne. Die Frauen sind anders. Es ist unheimlich schwer, zu ihnen Kontakt aufzubauen. Das sind so meine Erfahrungen. Aber auch hier gilt: Einen zusammen trinken und das wird schon. Allerdings sind die Damen nicht ganz so kontaktfreudig, wie die Herren.

Auch etwas zu Essen bestellten geht ganz gut. In den meisten Restaurants gibt es, jedenfalls in den Städten, in die viele Touristen kommen, auch englische Speisekarten. Da muss man dann nur noch wissen, was das auf Deutsch heißt. Oft gerät man da an seine Grenzen. Denn so oft bestellt man ja keine Speisen auf Englisch. Das ist dann der Punkt, an dem mein Englisch flöten geht. Zum Glück gibt es immer noch gute Freunde, die einen dann nicht auflaufen lassen. Wobei es in den meisten Fällen tatsächlich besser geklappt hat, sich etwas auf Finnisch zu bestellen, als auf Englisch.Oder eben auf Schwedisch, der zweiten Amtssprache, wovon einem jeder Finne nur sagt, dass er es in der Schule gehabt aber nicht aufgepasst habe.
Ich erinnere mich noch daran, wie ich völlig verzweifelt in Helsinki gelandet bin, und den Weg zum Hotel nicht wusste. Im tiefsten Winter mit Koffer rumlaufen. Da hatte ich keine Lust drauf. Also ab zur Straßenbahn. Das habe ich zum Glück schnell kapiert, wie es da geht. Habe den Fahrer nett gefragt, ob er auch in die Richtung fahren würde. Englisch hat er nicht verstanden. Aber Deutsch. Also, zumindest in Helsinki kommt man auch mit Deutsch recht weit.

Bars und einkaufen in Finnland

Ich habe ja schon erwähnt, dass Finnen gerne trinken. Und das tun sie tatsächlich recht viel. Bier haben sie beispielsweise in drei Stärken. Eins ist nichts. Stufe Zwei auch nicht wirklich. Level drei hingegen ist mit dem deutschen Pils vergleichbar. Und glaubt mir, an jeder Ecke in der Innenstadt findet man eine Kneipe bzw. Bar, in der Abends sogar Live-Musik gespielt wird. Die Finnen sind gesellig und gehen gerne aus. Zumindest von Donnerstag bis Sonntag. Montags sind sie im Koma, Dienstags werden sie wach und am Mittwoch sind sie wieder bei Sinnen. Unter der Woche sind die Bürgersteige quasi schon ab 18:00 Uhr hochgeklappt. Dann haben nur noch die Bars auf. Alkohol gibt es nur in Bars oder eben in speziellen Läden, die lizenziert sind, Alkohol verkaufen zu dürfen.
Auch was die Ladenöffnungszeiten angeht, ticken die Uhren in Finnland anders. Der Sonntag ist hier in Deutschland hoch und heilig. Man läuft schon Sturm, wenn die Geschäfte Verkaufsoffenen Sonntag haben. In Finnland haben zumindest die Supermärkte sonntags ab 11:00 offen. Ob das heute noch so ist, kann ich nicht sagen. Ich bin leider sehr lange nicht mehr oben gewesen.

Leben in Finnland

Generell nehmen die Finnen das Leben locker. Wo der Deutsche gleich ungeduldig wird oder in Panik verfällt, ist der Finne super entspannt. Eine lange Schlange an der Kasse im Supermarkt? Kein Problem, es wird gewartet, ohne dass man gleich ungeduldig wird. Eile und Hetze? Nicht in Finnland, vielleicht nur, wenn man einen Termin hat, aber auch hier muss man die üblichen 15 Minuten einrechnen. Es ist halt ein gelassenes Völkchen. Generell bin ich erstaunt, dass Finnland die selbe Fläche hat, wie Deutschland, aber nur so viele Menschen da leben, wie im gesamten Ruhrgebiet. Man hat Platz. Und daran muss man sich gewöhnen. Da kann man nicht mal eben sagen: „Ich fahre mal eben in die und die Stadt“, sondern man muss gleich einen ganzen Tag einplanen, je nachdem, wo man lebt. So kommt es auch, dass fast jeder ein sogenanntes Mökki , also ein Wochenendhaus, mitten in der Pampa, an irgendeinem See hat. Und wie kommt man da am Besten hin? Richtig, mit dem Auto. Aber einen Rat gebe ich euch dann doch: wenn ihr völlig lebensmüde seit, setzt euch in ein finnisches Taksi oder Taxi. Ich bin gefühlt 1000 Tode gestorben. Denn ich habe so das Gefühl gehabt, ich sitze bei Mika Häkkinen im Auto 😉

 

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