Journalist vs Youtube – ein hoffnungsloser Fall

Vor ein paar Postings habe ich euch erzählt, dass ich einen Youtube-Kanal habe. Dieser treibt mich gerade in den Wahnsinn. Nichts läuft wie es soll, aber nicht ohne Grund.

Warum fragt sich gerade der eine oder andere Leser. Ganz einfach. Hinter Youtube habe ich Analytics geschaltet. Und Analytics ist gnadenlos. Wirklich. So zeigt mir das Programm an, wann die Zuschauer abgesprungen sind. Na super auch. Für mich ist das erst einmal frustrierend, denn man steckt sehr viel Arbeit in ein Video und dann springen die Zuschauer ab. Okay. Ich bin nicht die Beste und Geilste, wenn es um das Thema „Video“ geht. Das ist nicht wirklich mein Medium. Aber um heraus zu finden, wie ein soziales Netzwerk funktioniert, muss man da durch.

Überall lese ich, damit man auf Klicks usw kommt, „Mach dich selbst bekannt in dem Netzwerk“. Das heißt, hier und da einen Kommentar bei anderen Youtubern hinterlassen. Aber das ist nicht mein Ding. Auf der anderen Seite will ich, dass das funktioniert.

Und hier sind wir bei dem typischen Problem eines Journalisten:

  1. Journalisten wollen alles auf dem silbernem Tablett präsentiert bekommen. Am liebsten schon in fertiger Form einer Pressemitteilung, bei der man nichts mehr machen muss. Vielleicht noch den Anfang und das Ende ändern. Das war es dann aber auch.
  2. Am besten werden Journalisten gleich exklusiv und mit Tamtam für Termine eingeladen. Doch das ist in sozialen Netzwerken nicht der Fall. Hier muss man sich durch Klick-Bating, Hashtags und Kommentare behaupten. Etwas, was mir absolut zuwider ist. Ich kann es ja nicht einmal leiden, wenn jemand einfach einen Kommentar á la „Schau bei mir auf dem Profil vorbei“ drunter packt. An dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen, ihr dürft gerne kommentieren und ich antworte auch in der Regel. Dabei ist es mir absolut wichtig, niemanden anzugreifen und jedem seine Meinung zu lassen.
  3. Als kleine Ergänzung zu Punkt 2 kann man folgendes Szenario noch dazupacken: Der Journalist mag es, wenn der rote Teppich für ihn, ähnlich wie bei einem Staatsbankett, ausgerollt wird. Vielleicht ist das etwas übertrieben, aber eine kleine Sonderbehandlung hat eigentlich jeder Kollege gern, gibt es aber nicht zu 😉 Jeder denkt, man läd ein Video hoch und wird reich.Irrtum. Man kann froh sein, wenn das in schweißtreibender, mühevoller Arbeit und alles andere als perfekte Video überhaupt angesehen wird. Der Endkonsument ist anspruchsvoll geworden. Denn er will ja unterhalten werden. Da muss nicht nur der Inhalt Top sein, sondern auch die Umsetzung.
  4. Noch einmal zurück zum Thema Pressekonferenz: Hier wird nach Möglichkeit keine Frage gestellt, die die Allgemeinheit auch interessiert. Es werden brav die W-Fragen abgerattert und danach geht es in Einzelgesprächen ans Eingemachte. Denn jeder will ja die volle Aufmerksamkeit haben und alles exklusiv haben. Die W-Fragen werden schnell im Text oder ähnlichem beantwortet. Man kommt sehr schnell auf den Punkt. Das will anscheinend auch der Konsument auf Youtube.

All diese Punkte lassen mich noch einmal überlegen, wo die Schwächen an meinem eigentlich perfektem Video sind. Wo die Schwächen an meinem Video sind? Natürlich gibt es die und das ärgert mich. Denn nun weiß ich, was man besser machen muss, um es zu perfektionieren. Und hier sind wir schon bei dem Punkt, den jeder anders sehen wird. Perfektionieren.

Das perfekte Youtube Video hat folgenden Aufbau:

  1. Thumbnail im Corporate Design des Youtubers. Hier sind am Besten die Person selber und Dinge aus dem Video zu sehen. Gaaaanz wichtig und das habe ich vernachlässigt. Schande über mein Haupt. Beim nächsten Video mache ich es, versprochen.
  2. Intro oder auch Vorspann genannt. Der muss nach Möglichkeit immer gleich sein, damit der Zuschauer auch ja dieses Intro mit dem Youtuber verbindet.
  3. Die W-Fragen schnell abarbeiten. Dann ganz viel Inhalt, um was es geht. Auch gerne mal Erklärsequenzen rein schneiden oder aus dem Off einsprechen.
  4. Den Zuschauer begrüßen und sich verabschieden. Ganz wichtig, auch das habe ich vernachlässigt. Typisch Journalistin eben. Denn eigentlich wird man begrüßt.
  5. Die Musik muss passen.
  6. Bild und Ton müssen schon wirklich gut sein, denn der Zuschauer ist anspruchsvoll.

Und die Moral von der Geschicht?

All diese Punkte habe ich nicht berücksichtigt, auch wenn ich mir gerne Videos zur Unterhaltung von großen und bekannten Youtubern ansehe. So kann man nur Besserung geloben und hoffen, dass man das bei dem nächsten Video besser macht. Vieles ist mir schon beim Schneiden aufgefallen. Allerdings bin ich mir echt blöd vorgekommen, da in die Kamera zu quatschen, als ob ich Selbstgespräche führen würde.

Viele können sich selbst auch nicht reden hören, da die Stimme hören für einen selbst zwischendurch die reinste Qual ist. Erging mir auch so. Hier eine kleine Anekdote:

In einem Seminar Namens „Präsentationstechniken“ sind alle Studis vor die Kamera gestellt worden. Sie mussten sich selbst vorstellen. Natürlich hatte man selbst das Vergnügen, sich als erstes zu zerreißen. Das haben auch alle brav gemacht. Und dann kam ich. Natürlich hatte ich da gesehen, dass ich keine neue Star-Moderatorin werde. Stattdessen habe ich folgendes gesagt: „Ich bin nicht der Typ dafür, aber ich bin mit mir zufrieden.“ Das haben meine Kommilitonen zum Anlass genommen, mich gefühlt in der Luft zu zerfetzen. Ehrlich gesagt, es war mir egal, Ich war mit meiner Leistung zu frieden.

Und doch hat Youtube einen großen Vorteil. Oder generell, wenn man sich ab und zu mal filmt: Man bekommt ein Gefühl dafür, wie man auf andere wirkt und kann daran arbeiten, sich besser zu verkaufen. Daher werde ich auch weitermachen und mich von Video zu Video steigern. Sei es Machart/Aufbau oder mein Gelaber. Es ist nicht perfekt und ich werde mich daran gewöhnen müssen, aber auch wollen.

Denn irgendwann ist es nicht mehr so schlimm, sich selbst sprechen zu hören oder gar zu sehen. Man verbessert sich ja.

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